Mittwoch, 2. Mai

Veröffentlicht auf von Marie

Allmählich setzt Langeweile ein. Die Nacht habe ich selig schlummernd verbracht; dank neuer Matratze bin ich schmerzarm aufgewacht – und wie zerschlagen. Kaum hat mein Körper verstanden, dass Schlafen auch anders gehen kann, will er mehr davon. Viel, viel mehr. Nach dem obligatorischen 10-Fettpunkte-no-fun-Frühstück geht es ins Schwimmbad, wo wir belanglos im Wasser nach Anleitung vorwärts und rückwärts laufen. Ich friere und gähne in trautem Wechsel, um direkt danach zur „Bewegungskompetenz“ zu schlurfen. Eine noch andere Dame hat heute den Kurs übernommen und informiert uns über das richtige Heben und Hinstellen von schweren Dingen, was mich null interessiert, denn dafür habe ich ja schließlich einen Ehemann.

Ein wenig Angst habe ich vor der anschließenden Krankengymnastik. Ich zeige dem Hardcore-Physio meine inzwischen grüngelb schillernden Blutergüsse. An mein Bein kann er heute nicht, aber der Nacken sei auch immer recht verspannt. Also führt er mich zum Schlingentisch, bettet weich meinen Kopf und zieht mir die Halswirbelsäule sanft massierend auseinander. Ich schnurre vor Vergnügen. Am Ende darf ich noch eine Viertelstunde allein in der Schlinge hängenbleiben und spüre, wie stückweise die Verhärtungen sich lösen. Die folgende Hydrojet-Behandlung mit sanft massierendem Wasserstrahl auf angewärmtem Blubberbett gibt mir den Rest. Nahezu komatös wanke ich durch den Resttag.

Selbst die psychologische Gesprächsgruppe mit dem Hauspsychologen verbringe ich katatonisch, dabei ist einiges heute wieder sehenswert. An seiner Seite sitzt eine junge und frisch eingestellte Psychologin. Da kommen naturgemäß bei älteren Herren die Hormone ein wenig in Fahrt. Schneidig erklärt er ihr, wo man Computer und Beamer an- und ausstellt. Das Mädel ist gut erzogen genug, um ihn gewähren zu lassen. Dann redet er die nächsten 40 Minuten höchst beschwingt und ohne Unterlass, um eher ihr als uns die letzte Stunde zusammenzufassen und das VOR-Programm zu erklären. Immer wieder strahlt er sie an und gibt sich ganz als Mann von Welt. Ob Mutti davon weiß? Dann erklärt er uns den Pawlowschen Reflex und was Lernen ist in wenigen Minuten. Da wir damit eigentlich das Programm an diesem Tag durch haben, nutzt er den Freiraum für das Thema Schlaf. Leider nur theoretisch. Etliche bedeutungsvoll vorgetragenen Binsenweisheiten später sind wir entlassen. Dummerweise steht ausgerechnet jetzt, wo natürliches Schlafbedürfnis, Nachmittagstief, entspannte Muskeln und gepflegte Langeweile aufeinandertreffen das Geräte-Training auf meinem Plan. Ich hadere kurz, bin aber dann doch zu sehr Streber, um zu schwänzen. Nach anderthalb Stunden sind in puncto Müdigkeit Kopf und Gliedmaßen perfekt balanciert. Und jetzt gehe ich schlafen.

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