Freitag, 25. Mai, der letzte Tag

Veröffentlicht auf von Marie

Ein Irrenhaus! So fühlt sich auch am Ende wieder das an, was hier der tägliche Wahnsinn so mit sich bringt. Die Nacht war – wen wundert´s – reichlich unerfreulich. Viermal habe ich Coolpacks geholt, bin in der Morgendämmerung kurz und unruhig eingeschlafen, um mit hämmernder Migräne aufzuwachen. Ich nehme Triptan und schleiche zum Ultraschall und danach gleich wieder ins Bett. Noch immer quält mich die Auseinandersetzung mit der behandelnden Ärztin. Die Therapien – Bewegungsbad und Walking – lasse ich ausfallen, ich kann einfach nicht. Schade, die Anderen haben wieder Bemerkenswertes vom Bad mit der diktatorischen Dame berichtet.

Obwohl ich kaum aus den Augen gucken kann, bitte ich um einen Termin beim Chefarzt. Ich möchte die Dinge klären, sonst mache ich mir später sicherlich bittere Vorwürfe. Ein paar Spritzen in den Kopf können auch nicht schaden, denn inzwischen befürchte ich, dass ich morgen nicht reisefähig bin. Und das wäre wirklich übel! So frage ich nach, während ich insgesamt 8 schmerzhafte Spritzen mit starkem Betäubungsmittel in den Kopf injiziert bekomme, woher denn diese Einschätzung kommt. Der Chefarzt ist wie immer, knapp und klar: er sei Orthopäde und könne und dürfe nur die orthopädische Seite meiner Erkrankung beurteilen, das sei das Knie. Und mit diesem sei ich als Lehrerin voll einsatzfähig. Da hat er zweifelsohne Recht. Und die Fibro? Und die Migräne? Tja, da sei ich wohl in der falschen Klinik, eine Rheumatologie oder Neurologie sei da sicher sinnvoller gewesen. Ich habe das Gefühl, dass in meinem gemarterten Gehirn gerade ein vollkommen falscher Film abläuft. Aber seine Erklärung kann ich nachvollziehen, frage mich nur, warum die Wuchtbrumme das gestern nicht ähnlich formulieren konnte. Und – verflixt nochmal – warum hat mich die Rentenversicherung jetzt zum zweiten Mal ins falsche Programm gesteckt?

Als die Spritzen ihre wohltuende Wirkung entfalten, nehme ich – zum dritten Mal – die Organisation des Transfers zum Bahnhof in Angriff. Auf dem Hinweg hat das hiesige System ja fulminant versagt. Bislang wusste an der Rezeption keiner mit meinem Anliegen umzugehen. Merkwürdig, bin ich die Einzige, die zur Klinik mit dem Zug anreist? Man schickt mich in die Patientenverwaltung. Die Damen dort schicken mich zurück an die Rezeption. Da ist inzwischen eine andere Hilfskraft am Tresen, die mir wortlos eine Liste hinhält zum Eintragen. So einfach ist es. Ich hake nach, ob das auch wirklich klappt. Ich werde angepampt, das hätte noch nie ein Problem hier mit dem Abholdienst gegeben. Nun ja, da sind die Sichtweisen eben unterschiedlich.

Den Nachmittag verbringen wir noch einmal in froher Runde im geliebten Ausflugslokal mit den legendären Torten und dem laktosefreien Eis. Alle sind ein wenig stiller als sonst. Wir sind soviel mehr als „nur“ die Summe von 10 Menschen; wir haben hier eine tragende, liebevolle, verständnisvolle Gemeinschaft gelebt, gelacht, geweint. Bei jedem habe ich das Gefühl, dass in dieser Zeit ein kleines Stück mehr des von innen leuchtenden Menschen ans Tageslicht kommen durfte. Dass vielleicht nicht auf den ersten, aber mit dem zweiten Blick soviel Gutes und Beflügelndes, Lustiges und Nachdenkliches möglich sein konnte, habe ich mir nicht vorstellen können. Ja. Irgendwie bin ich doch sehr richtig hier. Und so bleibt am Ende dieses Tages Eines ganz besonders dick übrig: Danke!

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post