27.5.2014, Dienstag, Abreisetag

Veröffentlicht auf von Marie

Gnadenlos früh klingelt der Wecker. Draußen graut der Morgen trostlos vor sich hin. Es regnet. Ich springe energiegeladen und fröhlich aus meinem Bett, reiße die Balkontür auf und freue mich des Lebens, denn heute geht es nach Hause! Lange halte ich das Frischluftvergnügen wegen feuchter Kühle jedoch nicht durch, springe unter die Dusche und richte an Gepäck, was noch so zu richten ist. Und das ist erstaunlich viel, wenn ich bedenke, dass ich „nur“ drei Wochen hier gehaust habe. Dann gibt es auch noch einige Formalitäten zu erledigen, Therapieplan gegen Abschlussbericht, Schlüssel gegen Arbeitgeberbescheinigung, W-Lan-Zubehör gegen Pfand. Aufgrund der vielen Abreisen heute geht es geringfügig hektisch zu. Wenig Zeit bleibt für das Frühstück, von vielen möchte ich mich verabschieden. Was wird von unserem lustigen Tisch bleiben? Die Hälfte unserer Sechsergruppe am Tisch reist heute ab; hoffentlich bekommen die „Zurückgebliebenen“ fröhlichen Ersatz.
Dann geht es los. Inzwischen regnet es wolkenbruchartig. Als letztes Aperçu hat mir die Rentenversicherung noch einen Zug gebucht, der mir in Eisenach beim Wechsel von Bus auf Bahn gut zwei Stunden Wartezeit beschert hätte. Dieses Pech habe ich als Einzige. Die Busse hier dienen in erster Linie der Versorgung der Schulen. Ganz früh fährt etliches, dann lange nichts. Ich gehe das Risiko ein und nehme den nur unwesentlich früheren Bus mit einigen anderen und wage mit nur 10 Minuten Umsteigezeit einen früheren Zug ohne Platzkarte. An einem Dienstagmorgen kein Problem. Bis Frankfurt reisen der Umweltschutzbeamte und eine ebenso nette wie taffe Lady aus meiner westfälischen Heimat mit. Wir haben die letzten drei Wochen viel Zeit auf gute Weise miteinander verbracht; so vergeht die Reise sehr schnell. Dass wir natürlich über die vielen Pannen ausgiebig lästern, versteht sich von selbst.
Das letzte Stück ab Frankfurt bin ich alleine. Vieles geht mir im Kopf herum, viele Erinnerungen, erstaunlich viele schöne Erinnerungen. Was jetzt wohl die anderen machen? Die entspannten Jungs in der Mucki-Bude machen gerade ihre Mittagspause und die säuselnde Dame schwebt aus dem Entspannungsraum. Jeder, der laufen kann, geht heute sicher zum Schwanenteich, um die frisch geschlüpften Schwanenküken zu beobachten. Die dauerhungrige Abteilungsleiterin für Schuhe sitzt jetzt wohl in der Klinik am Mittagstisch, vermutlich mit nicht geringer Verzweiflung und der Filialleiter aus dem Sauerländischen dürfte schon fast zuhause bei Frau und Kind sein. Macht's gut!

Veröffentlicht in Abschied

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Anonym 05/28/2014 15:13

Ich werde deine täglichen Berichte aus der Reha vermissen!