26.5.2014, Montag

Veröffentlicht auf von Marie

Mein letzter Tag hier beginnt ungewohnt. Schon um 6 Uhr werde ich geweckt durch einige Möbelpacker, die lautstark im Nebenzimmer alles Bewegliche umtauschen, umräumen, rausräumen. Was genau da vor sich geht, erschließt sich mir nicht; die Inhalte der laut geführten Gespräche und das Möbelrücken dafür umso mehr. Frühstück also heute wirklich früh, da ich ohnehin nicht mehr schlafen kann. Um 7.20 Uhr bin ich unten, 5 Minuten nach Eröffnung. Und schon wieder kein Obstsalat.

Um 8 Uhr habe ich meinen letzten Termin im muffigen Keller. Da der erste und der letzte Termin der vier Einheiten dem Ausfüllen von Fragebögen gewidmet sind, weiß ich, was mich erwartet. Aber Überraschung: zunächst gibt es eine Runde Zirkeltraining. Dazu wird neben den musealen Geräten alles bemüht, was schnell transportabel ist. Ball, Matte, Theraband ergänzen das sintflutliche Equipment. Je Gerät sollen wir 3 Minuten eine bestimmte Übung durchführen, wobei mir auf dem Sitzball schnell langweilig wird, denn dort soll ich lediglich meinen Rücken bewusst nach oben strecken. Ich wechsele zu einer Pilates-Übung, korrigiert wird hier nichts. Das Wackelkissen mit den Noppen sollen wir mit Schuhen benutzen. Mich graust´s. Den Museumsstücken verweigere ich mich, bekomme aber eine Alternative mit dem Flexi-Bar. Dann geht es an die Fragebögen. Wir bohren nach: was ist das Ergebnis, was wird damit gemacht, wozu das Ganze? Die Dame rechnet schnell aus. Mein Wert liegt bei 60. Beruflich, so klärt mich die Dame auf, käme für mich also nur eine rein liegende Tätigkeit in Frage. Aha! Und der Eingangswert? Der war deutlich besser. Und mit dieser Verschlechterung bin ich nicht die Einzige in unserer Runde. Und bemüht haben wir uns wirklich alle!

In der Manuellen Therapie gibt es wieder die allernötigste Unterstützung für die Halswirbel. Dass diese punktuellen Ereignisse ohne ein entsprechendes Rahmenprogramm im besten Fall lediglich kurzfristig die Schmerzen lindern können, wissen sowohl die kundige Therapeutin als auch ich. Dankbar nehme ich ihre Unterstützung an.

Dann geht es an diesem erfreulich vollgepackten Tag weiter zur Patienten-Verabschiedung. Mit herzlichen Worten wird der Hoffnung Ausdruck verliehen, dass wir mal wiederkommen, gerne auch mal in einem der Apartments im Haus als Privat-Urlaub. Welch frommer Wunsch! Dann wird nach Kritikpunkten gefragt. Die meisten schweigen. Feigheit? Resignation? Klugheit? Als explizit nach der Zufriedenheit mit dem Essen gefragt wird und wieder vor sich in geschwiegen wird, kann ich mein vorlautes Mundwerk nicht mehr halten. Für mich wird es keine Folgen mehr haben, aber vielleicht haben die Vegetarier, die nach mir hierher kommen, zumindest etwas davon.

Nach dem Essen geht es zu meiner Lieblingstherapeutin – der säuselnden Dame – in die Entspannungs-Gruppe. Ihr so ganz eigener Stil gefällt nicht jedem; der Umweltschutzbeamte beispielsweise verlässt schnell den Raum, weil ihn diese gemächliche, melodiöse und immer sonnige Art des Redens an den Rand des Wahnsinns bringt. Mich knockt die zierliche Dame wie mit dem Holzhammer aus. Nach wenigen Minuten drifte ich ab in Tiefen meines Bewusstseins, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Nach 50 Minuten habe ich echte Mühe, zu mir zu kommen, bin so entspannt, dass ich kaum geradeaus gucken kann. Mit dem Kopfkissen unter dem Arm torkele ich in mein Zimmer. Unseligerweise schickt mich der computer-generierte Therapieplan anschließend direkt in die Mucki-Bude. Ich quäle mich dort auf das Fahrrad und schaffe es, nach einer halben Stunde meinen Puls auf 80 Schläge hochzujagen. Die entspannten Jungs dort schicken mich verständnisvoll weg – mein Plan sei wirklich ungünstig und zuhause würde ich ja auch an den Geräten trainieren.

Das Abendessen ist etwas wehmütig; unser lustiger Tisch ist nur bedingt lustig: es ist der letzte Abend in dieser Runde. Deshalb gehen wir dann auch aushäusig ein wenig feiern. Zu unserer lustigen Runde gesellen sich noch zwei richtig coole Jungs, die im Hauptberuf unser Land verteidigen. Die Damen sind entzückt!

Die Koffer stehen gepackt im Zimmer. Ich gestehe: zur unbändigen Vorfreude auf Zuhause gesellt sich ein bisschen Wehmut wegen des Abschieds von all den wunderbaren Menschen, mit denen ich hier viel Zeit verbracht habe.

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