17.5.2014, Samstag

Veröffentlicht auf von Marie

Um 6 Uhr ist der liebende Ehemann schon wach. Nach den vielen und informativen Vorträgen der letzten Wochen kann ich ihm auch gleich erklären, woran das liegt: in seinem Alter sei das die ganz normale senile Bettflucht. Die nächste halbe Stunde schweigt mich mein liebender Ehemann an und redet beim Frühstück ausschließlich substantivisch:

„Gabel.“

„Hmmm?“

„Gabel!!“

„Was?“

„GABEL!“

Meine Ohren sind vom hiesigen Idiom infiziert, und ich frage erstaunt: „Wozu brauchst du denn ein Kabel?“

„Mit weichem, nicht mit hartem G!“

Schallendes Gelächter – der Bann ist gebrochen. Gabeln gibt’s übrigens morgens nicht, nur sehr kleine Löffel; das hat wohl diät-technische Gründe.

Da der liebende Ehemann mit dem Auto da ist, komme ich heute erstmalig länger aus dem Gebäude heraus. Kultur-Ziel ist natürlich Eisenach. Recht früh am Tag haben wir keine Wartezeit in der Wartburg, in der es gewaltig luthert, wagnert, landgraft. Einige Geschichten aus dem Leben der Elisabeth und dem Bild der Frau im Hochmittelalter kann ich freihändig anfügen. Historische Romane sorgen eben doch für eine gesunde Halbbildung. Die Führung durch die Gemächer ist fundiert und informativ. Seit meinem letzten Besuch hier (1987) hat sich einiges verändert. Auch die Gastronomie ist einladend – ich brauche die erste Pause, bin aber total stolz, dass ich die ganzen Stufen und die einstündige Führung so gut bewältigt habe.

Dann geht es zum absoluten Highlight: Frauenplan 21 in Eisenach. Jeder Musiker kennt diese Adresse, denn hier steht Bachs Geburtshaus. Was Andersgläubigen der Petersdom oder Mekka ist, ist uns diese Stätte. Wegen – was weiß ich – ist sowohl 1984 als auch 1987 geschlossen gewesen als ich in der Nähe war. Heute ist also der große Tag, an dem ich erstmalig diese heiligen Hallen betrete. Das eigentliche Haus ist für unsere Begriffe natürlich winzig, aber sehr schön als Museum hergerichtet. Zudem findet stündlich ein Kurzkonzert statt, in welchem historische Instrumente der Bach-Zeit gespielt werden. Der Herr, der das tut, erklärt auch einiges und ermutigt uns zu Nachfragen. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und löchere ihn mit Fachfragen. Ein privates, nettes Gespräch schließt sich an. Der angedockte Neubau bereitet auf großzügiger Fläche viele Aspekte der Bach-Forschung publikumstauglich auf. Und an der Sonderausstellung „Bach und die Zahlen“ habe ich meinen besonderen Spaß. Mehrere Stunden bringen wir hier zu, lassen uns vom Flair des Ortes gefangen nehmen – und genießen eine ausgiebige Pause im „Café Kantate“. Der anschließende Bummel durch Eisenach hat keine übermäßigen Ausmaße, denn ich werde müde. Am Spätnachmittag fahren wir zurück. Hier steht richtig viel Landschaft in der Gegend herum. Die blühenden Rapsfelder, die zwischen die grünen Hügel gebettet sind, leuchten im Licht der immer wieder zwischen dicken Wolken hervorkommenden Sonnenstrahlen.

Dann Schlafen. Essen. Schwimmen. Sauna. Schlafen. Dass ich alles mit meinem Liebsten teilen kann, ist wunderschön. Später am Abend gibt es noch anlässlich des hiesigen Burgfestes ein üppiges Feuerwerk, das wir Arm in Arm genießen.

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